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Wie der Flamenco ins Ruhrgebiet kam


"Españoles im Ruhrgebiet
50 Jahre spanische Migration"


Eine von der Stadt Duisburg herausgegebene Broschüre.

Josefstraße, ganz spanisch

Gelsenkirchen, 14.06.2009, Mario Stork

Eujenia Rodriguez, Bürgermeisterin im spanischen Pruna, lebte früher in Gelsenkirchen und war nun am Samstag zu Besuch beim spanischen Fest auf der Josefstraße.

Die Josefstraße ist abgesperrt, dicht an dicht drängen sich die Menschen. Auf dem Grill brutzeln Würstchen und Steaks, während die große Paella-Pfanne für den abendlichen Einsatz vorbereitet wird. Aus den Lautsprechern erklingen mitreißende Flamenco-Rhythmen, zu denen kleine und große Tänzerinnen auf der Bühne andalusisches Feuer versprühen: Das Straßenfest der „Sociedad del Emigrante Español e.V.” ist, zumal bei derart mediterraner Witterung, ein voller Erfolg.

„Wir aus Pruna” lautet das Motto der Feier in diesem Jahr. Pruna, eine kleine 3000-Seelen-Stadt ziemlich genau in der Mitte zwischen Cádiz, Malaga und Sevilla, hat zahlreiche Verbindungen zu Gelsenkirchen: „Das halbe Dorf hat hier irgendwann einmal gearbeitet”, erzählt Antonio Morilla, Vorsitzender der „Sociedad del Emigrante Español” und selbst in Pruna geboren. eine Gruppe von 17 Gästen aus der andalusischen Stadt ist gekommen auf der Suche nach ihren Wurzeln: „Viele sind zwar nach Spanien zurückgekehrt, haben aber noch Familie hier”, weiß Morilla.

Zu den Besuchern, die auf Einladung des spanischen Migranten-Vereins Gelsenkirchen besuchen, zählt auch Prunas Bürgermeisterin Eujenia Rodriguez. Die „Señora Alcaldesa” ist selbst eine „alte Gelsenkirchenerin”, ihr Bruder wohnt noch immer hier. „Meine Eltern waren 40 Jahre in Deutschland, ich bin erst immer in den Ferien hierher gekommen, dann habe ich auch drei Jahre ganz hier gelebt”, erinnert sich Rodriguez. „Wegen der Liebe” ist sie dann zwar in Spanien geblieben, „aber die Jahre hier in Deutschland waren meine schönsten.” Befreundet ist sie mit Graziella Dell'Aquila, DER Eisdielenbesitzerin Gelsenkirchens. „So kann ich die Kontakte pflegen.” Da ihr liebster Fußballverein „ganz klar Schalke!” ist, kam Eujenia Rodriguez nicht um einen Abstecher zur Veltins Arena herum. „Aber ich sage immer noch Parkstadion dazu, Arena gefällt mir nicht.”

Aufgrund der vielen Bezugspunkte („rund die Hälfte aller hier lebenden Spanier stammen aus Pruna”) möchte die Alcaldesa langfristig eine Partnerschaft zwischen ihrer Stadt und Gelsenkirchen aufbauen. Der nächste Schritt ist ein Gegenbesuch in Spanien, der für den Mai 2010 geplant ist. „Ich würde mich freuen, dann auch Oberbürgermeister Frank Baranowski dann bei uns begrüßen zu dürfen”, betont Eujenia Rodriguez.

Noch vier Tage im Zeichen des Flamenco

WAZ Gelsenkirchen, 11.5.10, WP

Der andalusische Flamenco – eine Kunstform, die in besonderer Weise für die reiche jüdisch-christlich-muslimische Geschichte des Landes steht – bestimmt zum Ausklang der spanischen Wochen noch einmal vier Tage lang das kulturelle Geschehen in der Stadt.

Einen Tag nach der bereits hoffnungslos ausverkauften Flamenco-Reise der „Santa Monica“ auf dem Kulturkanal leistet am Donnerstag, 13. Mai, die Bleckkirche ihren Beitrag zum Festival „3spana“:

Im Rahmen des Kulturhauptstadt-Projekts „Kirche der Kulturen“ tritt ab 21 Uhr die Flamenco-Tänzerin Ana Sojor, die an den führenden Flamenco-Schulen in Madrid und Sevilla ausgebildet wurde. Ana Sojor, die nach Aufenthalten in Berlin, Hamburg und New York seit fünf Jahren selbst eine Flamenco-Schule bei Bützow/Mecklenburg betreibt, wird begleitet von Raijko Schlee (Gitarre), Ruben Chico (Perkussion)
und Rubin de la Ana (Flamencogesang).

AmFreitag, 14. Mai, steht im Wissenschaftspark (20 Uhr) authentischer Flamenco aus einem der wichtigsten Ursprungsorte des Flamenco in Andalusien auf dem Programm: Aus Granada kommt die Gruppe „Flamenco de Graná“ (David Sorroche, Gesang; Jorge „El Pisao“, Gitarre; Victor Castro, Tanz).

Mit einem Straßenfest, einer „Fiesta Callejera“, klingt das Festival am Samstag, 15. Mai, aus. Ab 15 Uhr gibt es bei freiem Eintritt vor der Sociedad del Emigrante Espanol in der Josefstraße Gipsy-Flamenco
mit der Gruppe „Arte Canela“; Paella und Tapas werden geboten, außerdem ist ein buntes
Programm für Kinder vorgesehen.

Ein Gelsenkirchener Flamenco

jetzt in Oberhausen, aus der WAZ

„So’n bisschen rassig“


Das Flamenco-Tanzen lehrt in der Tanzschule Upstairs in buchholz Tanzlehrer Antonio M. Rodriguez Buchholz. Flamenco - da denkt man an Kastagnetten, an rhytmisches Klatschen und klappernde Absätze. Ob eine brave Deutsche diesen feurigen Tanz erlernen kann?

Ich habe es versucht , in der Tanzschule Upstairs - bei einem stolzen Spanier.

„Schöne Hände machen! Die müssen aussehen wie ein Fächer!“, ruft Antonio Rodriguez seinen zwölf Kursteilnehmerinnen zu. Ich spanne meine ausgebreiteten Arme nochmal an, drehe die Hände ein- und auswärts - und fühle bald nur noch eins: Muskeln, die zu schmerzen beginnen. Da folgt schon Kommando Nummer zwei: „Die Arme rund nach unten führen - wie ein Vogel seine Schwingen!“, weist der Maestro seine Elevinnen an und fügt gleich noch hinzu: „Nicht die Schultern hochziehen, wir sind hier nicht beim Aerobic! Haltung!“

Recht hat er, wir korrigieren unsere Körperhaltung. Und ein Blick in den Spiegel beweist: Es sieht wirklich schöner aus, wenn man kerzengerade steht und die Bewegungen kontrolliert ausführt statt die Arme locker durch die Luft zu wirbeln. Einfach ist das für eine Anfängerin allerdings nicht. Schon nach dem ersten Teil des „Warm-up“ fühle ich mich erhitzt wie unter der südspanischen Sonne . . .

Für die anderen Tanzschülerinnen, die sich schon mehreren Monaten dem Flamenco widmen, wird es erst dann schwieriger, als die Füße hinzukommen. Sie raffen ihre hübschen weiten Röcke und beginnen zu stampfen - rechts-rechts, links-links, rechts-rechts. Im „Netto“-Markt unter der Tanzschule müssten jetzt die Regale wackeln . . . Die ersten Schritte - zum Beispiel das „golpe“ (Auftreten mit der ganzen Fußsohle) kriege ich hin - auch, wenn in den hochhackigen roten Flamenco-Schuhen der große Zeh drückt. „Planta y tacón“ (das abwechselnde Auftreten mit Ballen und Absatz)? Ebenfalls machbar. Als aber beides in unterschiedlicher Kombination hintereinander ausgeführt wird („redoble“), muss ich aussteigen. Da hilft auch das zackige „Vamos!“ nicht mehr, mit dem Antonio seine bailadoras anfeuert. Oder sein Aufstampfen mit einem Spazierstock, mit dem er den „compás“ (Takt) vorgibt.

Letzte Übung: eine Drehung unter ruckartiger Mitnahme des Kopfes. Da ist wieder Körperspannung gefragt („Popo zusammenkneifen!“). Sonst strauchelt man wie ich (andere wackeln auch ein bisschen).

„Entspannt euch!“, sagt der Tanzlehrer dann, dabei geht es jetzt erst richtig los. Endlich wird die Musik angemacht, die man aus dem Andalusien-Urlaub kennt. Eine „entrada“ - die Eingangssequenz einer „alegria“ (einem Flamencostil) - sollen die Hobby-Tänzerinnen nun vollführen - sollen quer durch den Raum tanzen. Danach folgen viele weitere - schnelle und komplizierte - Schrittkombinationen, die die Frauen und Mädchen schon recht zackig aufs Parkett legen. Eine tolle Choreographie entsteht . . .

Für mich heißt es schon längst nur noch: Stillsitzen - und allerhöchstens rhythmisch mitklatschen.

Wohin das alles führen kann? Antonio, der aus Granada stammt und schon mit acht Jahren eine Flamenco-Ausbildung in den „cuevas“ der Stadt begann, zeigt es. Tanzt ein Stück aus der „Alegria de Cadiz“ vor. Entschlossenheit und Stolz sprechen aus seinen Posen und Bewegungen - sein Tanz ist ein Gefühlsausbruch.

Ins Blut kriegen sollen auch die zwölf Schülerinnen den „compás“, deshalb endet das Training nach anderthalb Stunden im großen Kreis. Das rhytmische Klatschen zur Flamenco-Musik wird noch einmal geübt. Denn: Es ist einfach schwierig im Takt und im Tempo zu bleiben.

Ich würde es wieder tun, mich erneut an „zapateados“ (Fußtechniken) versuchen. Weil man beim Flamenco den Körper spürt und fordert - und viel Emotion rauslassen kann. „Es ist anstrengend, aber es macht viel Spaß und baut Stress und Frust ab“, findet auch Tanzschülerin Regine. „Das Flamenco-Tanzen ist ein körperliches und auch ein geistiges Training, denn es erfordert viel Konzentration“, ergänzt ihre Mitstreiterin Brigitte und erklärt dann mit verschmitztem Lächeln, warum sie alle immer wieder gerne herkommen: „Wir wollen alle so’n bisschen rassig sein.“

 
 
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